Pizza

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Klassische neapolitanische Pizza Margherita

Eine Pizza (Aussprache [ ?p?tsa ], italienisch [ ?pitːsa ], deutscher Plural : die Pizzas oder die Pizzen [1] ) ist ein vor dem Backen wurzig belegtes Fladenbrot aus einfachem Hefeteig aus der italienischen Kuche . Die heutige international verbreitete Variante mit Tomatensauce und Kase als Basis stammt vermutlich aus Neapel .

2017 wurde die neapolitanische Kunst des Pizzabackers ( Art of Neapolitan ‘Pizzaiuolo’ ) in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. [2]

Etymologie

Die Etymologie des Wortes Pizza ist nicht abschließend geklart. Folgende Spuren wurden verfolgt:

  • Das Wort stammt vom langobardischen pizzo oder bizzo , was dem deutschen ?Bissen“ entspricht, vgl. auch Imbiss . Diese Herleitung wird heute vom Dizionario etimologico della lingua italiana von 1979/1988 (Neudruck 1999) als richtig vermutet. [3]
  • Das Wort stammt aus dem jungeren orientalisch - semitischen Raum (z. B. dem Arabischen ), ist von dort ins Griechische als Pita eingewandert und von da ins Italienische entlehnt worden.
  • Das Wort ist noch alter und steht in Zusammenhang mit dem hebraischen Wort ??? pat (Stuck Brot; bibl. noch Brocken) oder Mittelagypt. bjt (Fladen).
  • Ihm liegt das italienische pitta ( lateinisch picta) zugrunde, diesem vermutlich wiederum das griechische p?ktos (πηκτ??; fest, geronnen).
  • Das Wort stammt von einem anderen italienischen Wort, z. B.
    • von pestare, ?zerstampfen“, wie auch bei Pesto , vgl. lateinisch pista ?gestampft, gestoßen“, pistor ?Backer, Muller“.
    • von pinza, einem Dialektwort, das immer noch in einigen italienischen Mundarten vorkommt und sich vom lateinischen pinsere (zerstoßen) ableitet. Im Mittellateinischen wurde das Verb in der Bedeutung ?backen“ gebraucht. [4] Vgl. auch Italienisch pinza und Venezianisch pinsa . [5]
    • vom neapolitanischen picea bzw. pizza fur ?zupfen“ abgeleitet, vergleiche kalabrisch pitta und mittellateinisch pecia (?Stuck“, ?Teil“, ?Fetzen“).

Geschichte

Pizzabacker, 1830
Schild vor dem Restaurant Brandi in Neapel

18. Jahrhundert

Die nur mit Olivenol betraufelte, mit Tomatenscheiben und Oregano oder Basilikum belegte Pizza ist seit etwa der Mitte des 18. Jahrhunderts nachgewiesen, als die Tomate in Suditalien popular wurde. Der Name ist vermutlich alter ? die apulische Pizza pugliese oder die kalabresische Pitta inchiusa zum Beispiel enthalten neben Hefeteig nur seit alters bekannte Zutaten wie Olivenol, Zwiebeln , Salz oder Schweineschmalz . Der ligurischen Focaccia ahnliche Fladenbrote sind seit der Antike verbreitet. Da Pizza bei sehr hoher Temperatur gebacken werden sollte, was in den wenigsten Haushalten moglich war, wurde sie anfangs vorbereitet und ungebacken zum ortlichen Backer gebracht, bis ein eigener Handwerkszweig der Pizzamacher, der Pizzaiolo , entstand, der den Teig selbst herstellte und belegte.

19. Jahrhundert / ?Pizza Margherita“

Eine Pizza, die heutigen Vorstellungen entspricht, soll erstmals am 11. Juni 1889 in Neapel vom Pizzaiolo Raffaele Esposito von der Pizzeria Brandi hergestellt worden sein, der beauftragt worden sein soll, Konig Umberto I. und seiner Frau Margherita eine Pizza zu servieren. Diese soll er patriotisch mit Zutaten in den italienischen Nationalfarben belegt haben: Basilikum (grun), Mozzarella (weiß) und Tomaten (rot). Diese ist bis heute unter dem Namen ?Pizza Margherita“ eine der bekanntesten und verbreitetsten, wenn nicht die verbreitetste Pizzavariante.

Die Legende dazu ist jedoch mittlerweile von Historikern widerlegt worden. Die Konigin ließ sich bereits vorher von jeweils anderen Pizzabackern Pizza in den Palast bringen. Im Jahr 1880 erschien hieruber ein Zeitungsartikel auch in der Washington Post : Aus einer Liste mit 35 verschiedenen Pizzabelagen wahlte sie acht Sorten aus, die dann fur sie gebacken wurden. Bei diesen Pizzabackern handelte es sich nicht nur um Esposito. Er war lediglich der einzige, der die Empfangsbestatigung des Hofes aufbewahrte. [6]

20. Jahrhundert

Durch italienische Auswanderer verbreitete sich die Pizza gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch in den USA .

Im April 1937 grundete Curzio Bertozzi das Restaurant International in Zurich. [7] Spatestens ab 1944 war es fur seine Pizza Napoletana bekannt. [8] Im Oktober 1937 wurde in Frankfurt am Main erstmals eine Pizza auf dem damaligen Festhallengelande im Rahmen der 7. Internationalen Kochkunst-Ausstellung bei der Messe Frankfurt zubereitet. [9] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Pizza auch in Europa außerhalb Italiens bekannter. Die erste Pizzeria in Deutschland wurde von Nicolino di Camillo (1921?2015) [10] im Marz 1952 in Wurzburg unter dem Namen Sabbie di Capri eroffnet. Von hier aus begann der Siegeszug der Pizza in Deutschland. [11] Die erste Pizzeria in Wien wurde 1975 von Pasquale Tavella eroffnet. [12] Neben Spaghetti ist die Pizza heute das bekannteste italienische Nationalgericht , sie wird weltweit angeboten.

Zubereitung

Zur Zubereitung wird zuerst ein einfacher Hefeteig aus Mehl, Wasser, wenig Hefe , Salz und eventuell etwas Olivenol hergestellt, grundlich durchgeknetet und nach einer Gehzeit von mindestens einer Stunde bei Zimmertemperatur ausgerollt oder mit den bemehlten Handen dunn ausgezogen. Geubte Pizzabacker ziehen den Teig uber den Handrucken und weiten ihn durch Kreisenlassen in der Luft.

Eine weniger bekannte Variante ist der Sauerteig, dieser wird ohne Hefe gemacht und benotigt eine langere Vorlaufzeit als der Hefeteig. Im Gegensatz zum Hefeteig wird der Sauerteig sehr knusprig und ist in der Regel auch bekommlicher.

Dann wird der Teig mit den Zutaten je nach Rezept nicht zu uppig belegt, meist mit passierten Dosentomaten oder Salsa pizzaiola, einer vorher gekochten samigen Tomatensauce . Es folgen Kase (klassisch Mozzarella) und die ubrigen Zutaten, zum Abschluss etwas Olivenol.

Schließlich wird die Pizza bei einer moglichst hohen Temperatur von 400 bis 500 °C fur wenige Minuten kurz gebacken. Der traditionelle Kuppelofen ist gemauert, und die Hitze wird uber ein Feuer direkt im Backraum erzeugt. Moderne Pizzaofen werden mit Gas oder Strom beheizt.

Arten

Pizza Napoletana

Traditioneller Pizza-Ofen mit Holzbefeuerung

Als Reaktion auf die Verbreitung von Fast-Food-Pizza und Tiefkuhlpizza wurde 1984 in Neapel mit Unterstutzung der Region Kampanien [13] die Associazione Verace Pizza Napoletana (AVPN) gegrundet, die sich die Wahrung der Tradition der Pizza Napoletana zur Aufgabe gestellt hat. Ihre Mitglieder, Pizzerien auf der ganzen Welt, durfen ihre Pizza als Verace Pizza Napoletana (echte neapolitanische Pizza) bezeichnen. Die traditionelle Herstellungsweise und die Verwendung der korrekten Zutaten wird regelmaßig kontrolliert. [14]

Am 9. Februar 2005 wurde die Pizza Napoletana als Warenzeichen innerhalb der Europaischen Union eingetragen und die zugelassenen Zutaten festgelegt. [15] Die Herstellung einer verace Pizza Napoletana artigianale (echte handgemachte neapolitanische Pizza) als specialita tradizionale garantita (STG, garantiert traditionelle Spezialitat) wird in der italienischen Norm UNI 10791:98 und der EU-Verordnung 97/2010 festgeschrieben. [16]

Seit 5. Februar 2010 ist die traditionelle Zusammensetzung oder das traditionelle Herstellungsverfahren des Produktes als garantiert traditionelle Spezialitat (g. t. S., engl. TSG) geschutzt. Die Pizza Napoletana besteht danach aus folgenden Grundstoffen: Weichweizenmehl, Bierhefe, naturliches Trinkwasser, geschalte Tomaten und/oder kleine Frischtomaten (pomodorini), Meersalz oder Kochsalz und natives Olivenol extra. Weitere Zutaten, die verwendet werden konnen, sind Knoblauch und Oregano, frisches Basilikum und Mozzarella di Bufala Campana g.U. oder Mozzarella g. t. S. Das Backen erfolgt ausschließlich in Holzofen, in denen eine fur die Zubereitung wesentliche Backtemperatur von 485 °C erreicht wird. Die Garzeit darf 60 bis 90 Sekunden nicht uberschreiten. Typisch fur die Pizza Napoletana ist auch der etwas dickere Rand mit ? Leopardenmuster “. [17]

Sie wird in zwei Varianten hergestellt: [18]

  • Pizza Marinara, mit Tomaten, Knoblauch, Olivenol und Oregano
  • Pizza Margherita, mit Tomaten, Mozzarella (aus Buffel- oder Kuhmilch, Fior di latte ), Olivenol, Basilikum und (optional) geriebenem Hartkase.

Klassische Varianten der neapolitanischen Pizza, die nicht unbedingt Tomaten und Kase enthalten mussen, sind:

  • Pizza aglio e olio, mit Knoblauch , Olivenol und Oregano
  • Pizza con cozze, mit Miesmuscheln , Knoblauch, Olivenol und Petersilie
  • Pizza alle vongole, mit Venusmuscheln , Tomaten, Knoblauch, Olivenol, Petersilie und Oregano
  • Margherita bianca, eine Margherita ohne Tomaten

Im Jahr 2020 entspann sich ein Streit zwischen der Associazione Verace Pizza Napoletana (AVPN) und der 1998 gegrundeten Vereinigung der neapolitanischen Pizzabacker Associazione Pizzaiuoli Napoletani (APN) uber die Verwendung von Elektroofen. Die AVPN hatte mit dem von dem neapolitanischen Ingenieur Giuseppe Carlo Russo Krauss entwickelten Scugnizzonapoletano erstmals einen Elektroofen fur die Pizzaherstellung akzeptiert. [19] Das Beharren auf Holzofen sei nicht zeitgemaß, da diese in vielen Landern nicht akzeptiert seien, was in 50 Jahren zum Aussterben der Pizza fuhren konne. Außerdem habe die UNESCO nicht den Holzofen, sondern die ?Kunst des ‘Pizzaiuolo’“ in ihre Liste aufgenommen. Die APN kampft dagegen an und betont, die einzigartige Tradition des Holzofens nicht wirtschaftlichen Uberlegungen opfern zu wollen. Zudem sei mit der Verwendung von Elektroofen die EU-Eintragung als Specialita tradizionale garantita (STG) gefahrdet. [20]

Weitere Pizzatypen mit regionaler Tradition

Außer der Pizza Napoletana gibt es in Italien noch weitere Pizzatypen mit regionaler Tradition. Dazu gehort die Pizza Romana, eine sehr dunne und knusprige Pizza, die meist auf dem Blech gebacken wird. Die Pizza Genovese dagegen ist eine dickere Pizza, die eher an die urtypische Form des Fladenbrotes erinnert und eine Weiterentwicklung der Focaccia ist.

Die Pizza cilentana stammt aus dem Cilento und wird im Gegensatz zur neapolitanischen Pizza aus einer Mischung aus Weich- und Hartweizen gebacken. Statt reiner Tomatensauce wird ein Soffritto aus Olivenol, Zwiebeln und Tomaten aufgetragen, statt Mozzarella wird Ziegenkase oder Cacioricotta verwendet. Als weitere Belage konnen regionale Wurstspezialitaten wie Noglia Verwendung finden.

Pizza-Varianten

Pizza alle quattro stagioni
Pizza bianca
Calzone
Pizza fritta
Pizza al taglio
Chicago-style Pizza

Pizzasorten nach der Art des Belags sind z. B. Pizza capricciosa , Pizza alle quattro stagioni sowie Pizzen, die nach den Zutaten benannt wurden, mit denen sie belegt sind: Pizza al salame (mit Salami ), Pizza ai funghi (mit Champignons ), Pizza al prosciutto (mit Schinken ), Pizza al tonno (mit Thunfisch ) usw. Pizza quattro formaggi ist mit vier Sorten Kase (zum Beispiel Mozzarella, Parmesan, Gorgonzola und Pecorino ), Pizza frutti di mare ist mit Meeresfruchten belegt.

Verbreitet in Italien ist auch die Pizza bianca (weiße Pizza), jegliche Pizza-Variation, die ohne Tomatensoße zubereitet wird. Eine Calzone (italienisch fur ?Hose“) ist eine Pizza, bei welcher der Teigfladen vor dem Backen uber dem Belag zusammengeklappt wird. Die traditionelle Fullung besteht aus Ricotta , rohem Schinken, Pilzen, Mozzarella, Parmesan und Oregano. Ursprunglich wurde die Calzone nicht im Ofen, sondern in einer Pfanne in Schmalz oder Ol gebacken, wie es als Pizza fritta in Neapel ublich ist.

In ganz Italien verbreitet ist die Pizza al taglio (?Pizza am Stuck“), die auf einem rechteckigen Blech gebacken und in kleineren rechteckigen Stucken verkauft wird. Angeboten wird sie haufig nicht nur in Pizzerien, sondern auch in Backereien .

US-amerikanische Pizza

In den USA sind zwei Typen weit verbreitet, ? Chicago-style “ und ?New York-style“ Pizza. Wahrend die New Yorker Variante mit ihrem sehr dunnen Boden der italienischen Variante ahnelt, steht die Variante aus Chicago Kopf: Der Teig bildet eine Schusselform, wird mit Mozzarellascheiben ausgelegt und mit weiteren Zutaten gefullt. Zum Schluss wird das ganze von oben mit zerkleinerten Tomaten bestrichen und mit Parmesan und Oregano bestreut.

Auch die Pizza Hawaii mit Kochschinken und Ananas ist nordamerikanischen Ursprungs. In Deutschland ist eine weitere Variante als ?American Pizza“ popular, die sich vor allem durch einen dicken, luftigen Boden auszeichnet und unter anderem durch die Restaurantkette Pizza Hut bekannt wurde.

Koschere Pizza

Eine sogenannte Pessach -Pizza wird aus Matzen zubereitet. Matzen ziehen sich in einer Mischung aus verquirlten Eiern mit Milch, Salz und Pfeffer voll. Ein ausgekochtes Blech mit hohem Rand wird mit Margarine oder Ol eingefettet, hierin die vorbereiteten Matzen eingelegt, Tomatensoße daruber gegossen und mit beliebigen Krautern und geriebenem ?gelbem Kase“ (Hart- oder halbfester Kase gevina tzehuba [21] ) bestreut. Danach in einem vorgeheizten Ofen gebacken. [22]

Koschere Pizza sind an Pessach besonders beliebt, da der amerikanische Hartkase, wie zum Beispiel Cheddar, kaum jemals ein halbes Jahr oder gar langer gereift ist, und somit anschließend gleich Fleisch gegessen werden darf. [23] Anhand des Datums auf der Kaseverpackung kann man erkennen, wie alt der Kase ist, und entscheiden, ob man sechs Stunden warten muss oder nicht. [24] Fleisch darf nach dem Konsum von Milchprodukten gegessen werden, mit Ausnahme von Hartkase, der langer als 6 Monate gereift ist. [25]

Pizza in der DDR

Die Pizza war auch in der DDR als Spezialitat beliebt. [26] Bereits 1966 wurden in einigen Tageszeitungen verschiedene Pizza-Rezepte zum Nachbacken veroffentlicht. [27] Besonders in Berlin und in den Bezirksstadten gab es ab den 1970er Jahren einige Einrichtungen, die Pizza im Angebot hatten. So zum Beispiel eine HO -Eisdiele in Berlin-Weißensee die ab 1975 selbstgebackene Pizza verkaufte. Zutaten waren damals nach eigenen Angaben: ungesußter Hefeteig, Salami, roter und gruner Paprika, saure Gurken, Tomatenketchup, verschiedene Gewurze, und alles wurde noch mit Kase uberbacken. [28] Auf dem Weihnachtsmarkt in Ost-Berlin am Alexanderplatz wurde ab 1976 frisch zubereitete Pizza angeboten. [29]

Im September 1979 begann im Kombinat Bako-Berlin, Betriebsteil VEB Libelle, die Pizzaproduktion in funf Sorten. Vorerst wurden damit zunachst die Kaufhallen von Konsum und HO in Ost-Berlin beliefert. Pizzateig wurde dort jedoch auch von der Gastronomie bezogen. [30] Die Pizzas waren dabei je nach Sorte mit Fleisch, Wurst, Apfeln, Tomaten, Paprika, Eiern, Kase oder auch Nussen belegt.

Eine Anlage zur Herstellung von Tiefkuhlpizza ging im April 1981 bei VEB Bako-Berlin in Betrieb. Es wurden stundlich ca. 600 Pizzas gebacken, gekuhlt, gefrostet und danach tiefgekuhlt in Folie und Umkartons verpackt. Es wurden dort ab 1980 pro Jahr 1300 Tonnen Pizza hergestellt. [31] [32] Anfang der 1980er Jahre boten dann auch einige Gaststatten und Konditoreien frisch zubereitete Pizza an. Bekannt war eine Konditorei in Berlin-Weißensee, die eine runde Pizza verkaufte. Diese Kreation bestand aus einer wurzigen Tomatensoße und war belegt mit Zervelatwurst , Zwiebeln, verschiedenen Gewurzen, Tomaten und Kase.

Bekannt war auch die Gaststatte Vierlanden in Berlin-Marzahn , die eine eigene Pizzeria betrieb. [33] [34] 1987 kam zur Jubilaumsfeier ?750 Jahre Berlin“ die Jubilaumspizza Margarethe in den Handel. Ab 1988 stellte der VEB Libelle in Berlin-Biesdorf fur den Handel Tiefkuhlpizza in zehn verschiedenen Sorten her. [35] [36]

In der DDR-Gastronomie wurde zudem eine eigene Pizza-Variation kreiert. Das Gericht erhielt den Namen Krusta , wurde auf einem Backblech gebacken und in rechteckige, etwa handgroße Stucke geschnitten. [37] Sie wurde von einem Kollektiv junger Koche entwickelt und bei der Messe der Meister von Morgen im November 1976 in Leipzig einem breiten Publikum vorgestellt. Die Krusta sollte dabei jedoch nicht die Pizza selbst oder sogar ihren Namen ersetzen.

Der Krustateig war dunkler, da er neben Weizen- auch Roggenmehl enthielt. Als Belag wurden Produkte genutzt, die in der DDR ganzjahrig in ausreichender Menge verfugbar waren: Salami, Speck, Bierschinken , Eier, Hackfleisch, Hahnchenfleisch, Fisch, Letscho und Sauerkraut, aber auch Anchovis und kubanische Ananas. [38] Die Krusta wurde in einer eigens dafur gegrundeten Schnellimbiss-Gastatte namens Krusta-Stube serviert. Ab 1986 gab es eine Imbisskette namens Pizza-Bufett . [39]

Tiefkuhlpizza

Vorgebackene und tiefgekuhlte Pizza gehort zu den meistverkauften Fertiggerichten . In den 1960er Jahren in den Vereinigten Staaten entwickelt, gelangte sie uber Italien nach Europa. 1966 wurde eine ?Minipizza“ samt dazugehorigem Aufbackofen vom italienischen Speiseeishersteller Motta auf deutschen Messen vorgestellt.

Tiefkuhlpizza in großen Mengen stellte seit 1968 der Backwarenproduzent Romano Freddi aus Mantua her. Er entwickelte die Grundlagen zum Formen des Teigs, des Belegens und des Vorbackens fur die industrielle Großproduktion. Neben der italienischen Firma Esselunga belieferte er auch Dr. Oetker , die Firma, die als erste die Tiefkuhlpizza auf den deutschen Markt brachte. Ebenfalls 1968 folgten die ersten Hersteller in der Schweiz, 1970 die ersten in Deutschland, darunter auch Wagner , heute europaweit einer der Marktfuhrer von Tiefkuhlpizza mit einem Anteil von uber 30 % in Deutschland sowie 26 % in Europa. [40] Von Wagner wurde auch 1976 erstmals die tiefgekuhlte ?Steinofenpizza“ auf den Markt gebracht. Großter Hersteller in Europa ist die Freiberger Lebensmittel GmbH, die 1976 aus der ?Pizza-Versandbackerei“ entstand, einem kleinen Berliner Betrieb, den Ernst Freiberger , Sohn eines Eiscremeherstellers (Efa-Eiskrem), gegrundet hatte.

Handelsubliche Tiefkuhlpizza in Folie

Der Verkauf von Tiefkuhlpizza stieg in Deutschland rasch an: 1973 wurden 2.800 Tonnen hergestellt, 2020 277.000 Tonnen. [41] Die absatzstarksten Sorten des Herstellers Dr. Oetker waren 2017 nach Eigenangaben ?Salami“, ?Speciale“ (Salami, Schinken, Champignons), ?Thunfisch“, ?Hawaii“ (Schinken, Ananas) und ?Margherita“. [42] Dr. Oetker hat diese Sorten uber Jahrzehnte vor allem in zwei Produktlinien vermarktet, die in den meisten Supermarkten prasent sind: Die ?Ristorante“-Linie und ?die Ofenfrische“, deren Teig nicht vorgebacken ist, sondern erst im Backofen des Endverbrauchers aufbackt.

Die Geschaftsfuhrerin des Deutschen Tiefkuhlinstituts, Sabine Eichner, ordnet die Tiefkuhlpizza als Lifestyle-Produkt ein. Von Januar bis Juni 2021 wurde mit Tiefkuhlpizzen ein Umsatz von 1,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Davon wurden mehr als 1 Milliarde Euro mit Markenprodukten umgesetzt. [43]

Die Herstellung von Tiefkuhlpizza weicht in der Reihenfolge von der traditionellen Zubereitung ab. Die ausgestanzten Teigfladen werden zuerst mit Tomatensauce bestrichen und vorgebacken, dann nach dem Abkuhlen mit den weiteren Zutaten belegt und schließlich schockgefroren . Der Teig enthalt neben Weizenmehl und Hefe auch modifizierte Starke und zusatzliche Triebmittel wie Natriumhydrogencarbonat , was das Backen ohne vorheriges langsames Auftauen ermoglicht. [44] Sowohl beim Vorbacken als auch beim Fertigbacken im Haushaltsbackofen liegen die Temperaturen weit unter denen eines Pizzaofens.

Als weitere Convenience-Food -Form neben der Tiefkuhlpizza bietet der Einzelhandel Pizza-Kits im Kuhlregal an. Sie enthalten den Teig (oft bereits aus- und auf Backpapier aufgerollt), der dann mit der ebenfalls enthaltenen Tomatensoße und separat zu erwerbenden Zutaten belegt werden kann.

Literatur

  • Paul Trummer: Pizza globale. Ein Lieblingsessen erklart die Weltwirtschaft. Econ, Berlin 2010, ISBN 978-3-430-20100-1 .
  • Dieter Richter: Die Pizza als Weltkulturerbe? Interview mit Antonio Pace, Prasident der Vereinigung ?Verace Pizza Napoletana“. In: VOYAGE. Jahrbuch fur Reise- und Tourismusforschung 2002, S. 89?95.
  • Gunther Hirschfelder : Pizza und Pizzeria. In: Pim den Boer, Heinz Duchhardt , Wolfgang Schmale (Hrsg.): Europaische Erinnerungsorte 2. Das Haus Europa. Oldenbourg, Munchen 2012, ISBN 978-3-486-70419-8 , S. 319?326.
Commons : Pizza  ? Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Pizza  ? Bedeutungserklarungen, Wortherkunft, Synonyme, Ubersetzungen
Wikibooks: Grundrezept fur Pizzateig  ? Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise

  1. Duden | Pizza | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 18. Dezember 2021 .
  2. Art of Neapolitan ‘Pizzaiuolo’ . In: ich.unesco.org , (abgerufen am 7. Dezember 2017).
  3. Manlio Cortelazzo, Paolo Zolli: Dizionario etimologico della lingua italiana. Zanichelli, Bologna 1999, S. 1206 f.
  4. Ottorino Pianigiani: Vocabolario etimologico della lingua italiana. Societa editrice Dante Alighieri di Albrighi, Segati e C., Roma 1907 (und zahlreiche Nachdrucke), Lemma Pizza .
  5. Storia e ricetta della “pinsa”, il dolce della tradizione veneta preferito dalla Befana. In: trevisotoday.it. Abgerufen am 18. Dezember 2021 (italienisch).
  6. Petra Foede: Wie Bismarck auf den Hering kam. Kulinarische Legenden. Verlag Kein & Aber, Zurich 2009, ISBN 978-3-0369-5268-0 , S. 167 f.
  7. Neue Zurcher Nachrichten 19. April 1937, Seite 3, Spalte 4 ? e-newspaperarchives.ch. Abgerufen am 22. Januar 2024 .
  8. Die Tat 23. September 1944, Seite 9, Spalte 3 ? e-newspaperarchives.ch. Abgerufen am 22. Januar 2024 .
  9. Pizza-Premiere in Frankfurt. Frankfurter Allgemeine Zeitung . 13. Oktober 2017, S. 41.
  10. H. Kriener: Der Mann, der die Pizza nach Deutschland brachte, ist tot. In: Mainpost.
  11. Jutta Hoffritz: Marin Trenk : Pizza? Kommt aus Wurzburg . In: Die Zeit . 17, 2015.
  12. Die alteste Pizzeria Wiens: Das Il Mare feiert seinen 40er. In: Die Presse . 25. August 2015, abgerufen am 1. September 2020 .
  13. Regione Campania ( Memento vom 23. Oktober 2009 im Internet Archive )
  14. AVPN ? La storia e il suo disciplinare internazionale. In: pizzanapoletana.org. Abgerufen am 18. Dezember 2021 (italienisch).
  15. Official Journal of the European Union ( Memento vom 11. Februar 2012 im Internet Archive ) ( PDF ; 835 kB).
  16. Verordnung (EU) Nr. 97/2010 der Kommission vom 4. Februar 2010 zur Eintragung einer Bezeichnung in das Register der garantiert traditionellen Spezialitaten [Pizza Napoletana (g.t.S.)] . 32010R0097, 5. Februar 2010 ( europa.eu [abgerufen am 18. Dezember 2021]).
  17. Wie muss eine neapolitanische Pizza aussehen? In: gaultmillau.ch. Abgerufen am 25. Juli 2023 (Schweizer Hochdeutsch).
  18. Verace Pizza Napoletana artigianale. (PDF; 121 kB) In: pizzanapoletana.org .
  19. ≪Scugnizzonapoletano≫, ecco il primo forno elettrico approvato dai pizzaioli napoletani. In: Il Mattino . 10. Juni 2020, abgerufen am 27. August 2020 .
  20. Napoli, la guerra dei ≪due forni≫ finisce a pizze in faccia. In: Corriere del Mezzogiorno . 12. Juni 2020, abgerufen am 27. August 2020 .
  21. Gil Marks: Cheese . In: Encyclopedia of Jewish Food . HMH, 2010, ISBN 978-0-544-18631-6 (E-Book ohne Seitenzahlen).
  22. Rena Novak, Dvorah Eisenbach, Zelda Goldsfield: Passover Pizza . In: The New Kosher for Passover Cookbook . Feldheim Publishers, 1998, ISBN 978-0-87306-863-5 , S.   58 .
  23. Cheese . In: Kashrus . Band   17 - 18 . Yeshiva Birkas Reuven, 1996, S.   24 .
  24. After Which Cheese Do I Have To Wait? In: Kashrus . Band   24 . Yeshiva Birkas Reuven, 2003, S.   22–25 .
  25. George Robinson: Meat and Milk in the Kosher Kitchen . In: Essential Judaism: A Complete Guide to Beliefs, Customs & Rituals . Simon and Schuster, 2008, ISBN 978-1-4391-1752-1 , S.   561 .
  26. Ingetraud Beier: Kuchenbuch-Ratgeber fur junge Leute , Verlag fur die Frau, Leipzig, 1982, ISBN 3-7304-0206-4 , S. 240 und 241.
  27. Leserbrief: in Neue Zeit, 27. September 1966, S. 6.
  28. Reimuta: Lucullus bot Pizza an , in Neue Zeit, Nr. 43, 20. Februar 1975, S. 8.
  29. Michael: Weihnachtsmarkt , in Neue Zeit, Moment mal ... , Nr. 258, 29. Oktober. 1976, S. 8.
  30. Buttermilchbrot sowie Pizza in funf Sortimenten , in Berliner Zeitung, Nr. 223, 21. September 1979, S. 8.
  31. Karl-Heinz Bergmann: Die schnelle Pizza von bako , in Neue Zeit, Nr. 153, 1. Juli 1980, S. 3.
  32. Pizzas aus der Tiefkuhltruhe , in Berliner Zeitung, Nr. 257, 31. Oktober 1980, S. 8.
  33. Werbeanzeige in Neue Zeit, 10. Dezember 1981, S. 12.
  34. Ilse Schaulies: Gestern war Premiere fur Plettaus neue Pizza , in Berliner Zeitung, Nr. 210, 5. September 1984, S. 8.
  35. Jubilaums-Pizza kommt ´87 in Berliner Zeitung, Nr. 188, 11. August 1986, S. 8.
  36. Bildunterschrift: Pizza aus Biesdorfer Betrieb , in Neues Deutschland, 15. Oktober 1986, S. 8.
  37. Krusta ? die DDR-Variante der Pizza . In: mdr.de (abgerufen am 15. Februar 2022).
  38. Pizza in der DDR . In: ernaehrungsgeschichte.de (abgerufen am 15. Februar 2022).
  39. Uwe Stemmler: Kellner vom ?Talblick“ antworten ihren Gasten , in Neues Deutschland, 13. Oktober 1987, S. 8.
  40. Wirtschaftswoche , Ausgabe 13/2009, S. 13.
  41. Absatz von Tiefkuhlpizza in Deutschland bis 2020. In: statista.com. Abgerufen am 18. Dezember 2021 .
  42. Ob Schoko oder Salami: Hier kommt Ihre Pizza her. In: mopo.de. Abgerufen am 6. Juni 2017 .
  43. Sibylle Menzel: Eiskalt im Trend: Pizza & Co. In: Rundschau fur den Lebensmittelhandel . Nr.   9 , September 2021, ISSN   0939-6209 , S.   68 ? 71 .
  44. Ratgeber Lebensmittel. Hessischer Rundfunk , 23. Juni 2010.