John Dillinger

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John Dillinger

John Herbert Dillinger (* 22. Juni 1903 in Indianapolis , Indiana ; † 22. Juli 1934 in Chicago , Illinois ) war ein US-amerikanischer Gangster , der sich mit seiner Bande auf Bankraub spezialisierte.

Das FBI setzte auf ihn ein Kopfgeld von 10.000 US-Dollar aus (etwa 200.000 US-Dollar nach heutiger Kaufkraft ) und erklarte ihn als erste Person uberhaupt zum ?Staatsfeind Nr. 1“. [1] Dillinger wurde am 22. Juli 1934 beim Verlassen eines Kinos von mehreren FBI-Agenten erschossen, nachdem er von seiner Bekannten Anna Sage , der ?Frau in Rot“, verraten worden war.

Leben [ Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]

Dillinger wurde am 22. Juni 1903 im mittelstandischen Stadtviertel Oak Hill von Indianapolis geboren, wo er auch aufwuchs. Sein Vater John Wilson Dillinger (1864?1943) war Handler; seine Mutter Mary Ellen ?Mollie“ Lancaster (1870?1907) starb, als Dillinger drei Jahre alt war. Er war ein Enkel des 1831 im preußischen Gisingen (ein nahe Dillingen/Saar gelegenes Dorf, heute Ortsteil der Gemeinde Wallerfangen im Landkreis Saarlouis ) geborenen Mathias Dillinger (1831?1912), der im Jahr 1854 von Deutschland in die USA ausgewandert war. [2] Zwischen dem Tod der Mutter und der zweiten Ehe des Vaters ? er heiratete 1912 Elizabeth ?Lizzie“ Fields (1878?1933) ? kummerte sich Dillingers altere Schwester Audrey (1889?1987) um ihren kleinen Bruder.

Nachdem Dillinger die Schule beendet hatte, arbeitete er in einer Maschinenfabrik . Die Arbeit unterforderte ihn, und er trieb sich abends herum, was seinen Vater beunruhigte und ihn zu einem Umzug in das landliche Mooresville veranlasste. Doch auch hier hielt sich Dillinger nicht aus Problemen heraus. Nachdem er wegen eines Autodiebstahls in Konflikt mit dem Gesetz geraten war, trat er im Juli 1923 in die US Navy ein und wurde auf dem Schlachtschiff USS Utah als Heizer eingesetzt. [3] Er desertierte jedoch schon im Dezember und kehrte nach Mooresville zuruck, wo er 1924 Beryl Ethel Hovious (1906?1993) heiratete (die Ehe wurde 1929 wieder geschieden) und sich auch niederlassen wollte. Jedoch wurde er wegen des Diebstahls von 41 Huhnern angezeigt, und nur mit Hilfe seines Vaters konnte ein Prozess vermieden werden. Dillinger begann, Baseball zu spielen, und lernte dabei Ed Singleton kennen.

Wegen seiner Geldprobleme versuchte er, zusammen mit Singleton einen Handler zu uberfallen. Das Vorhaben misslang ? offenbar weil sein Partner nicht wie abgesprochen mit einem Fluchtwagen gewartet hatte. Dillinger wurde verhaftet und, nachdem ihn sein Vater dazu uberredet hatte zu gestehen, zu 10 bis 20 Jahren Haft verurteilt. Singleton pladierte auf unschuldig und wurde zu zwei bis vier Jahren verurteilt. Am 10. Mai 1933 [4] wurde Dillinger nach neun Jahren und mehreren Ausbruchsversuchen freigelassen. Eine seiner ersten Taten nach der Entlassung war ein Uberfall auf eine Bank in Bluffton , Ohio . Am 22. September 1933 wurden Dillinger und seine Bande gefasst und zu Haft im Staatsgefangnis in Lima , Ohio, verurteilt.

Dillingers Fahndungsplakat

Ein Teil seiner Bande konnte mit Hilfe von Gewehren , die in die Zellen geschmuggelt worden waren, aus dem Gefangnis ausbrechen, wobei sie zwei Wachter toteten. Am 12. Oktober 1933 kehrten die entflohenen Gefangenen zuruck, um Dillinger zu befreien, ein weiterer Wachter kam bei dem Feuergefecht ums Leben. Zur Untersuchung des Falles wurde das BOI , Vorlaufer des heutigen FBI, zu Hilfe gerufen. Anhand der Fingerabdrucke wurden die Tater schnell identifiziert. Mit seiner Bande beraubte Dillinger mehrere Banken und auch zwei Waffenlager der Polizei, wobei er Maschinengewehre , Munition und kugelsichere Westen erbeutete. In dieser Zeit lernte er Evelyn Frechette kennen. Am 14. Dezember 1933 erschoss John Hamilton, ein Mitglied von Dillingers Bande, einen Polizisten in Chicago . Als nachstes großes Ziel suchten sich die Rauber die National Bank in Chicago aus, bei deren Uberfall ein Polizist getotet wurde. Die Mitglieder der Bande flohen zunachst nach Florida und dann nach Tucson , Arizona , wo sie jedoch verhaftet wurden.

Dillinger konnte sich am 3. Marz 1934 erneut aus dem Gefangnis befreien. Spater behauptete er, die Wachen mit einer aus Holz und Schuhcreme gebastelten Attrappe einer Pistole bedroht zu haben. Er floh mit dem Auto des Sheriffs nach Chicago. Da er mit dem Wagen die Grenze eines Bundesstaates passiert hatte, wurde dieser Fall zur Angelegenheit des BOI.

In Chicago uberfiel Dillinger mit den ubrigen Mitgliedern seiner Bande weitere Banken. Die Polizei konnte ihn schließlich in einer Wohnung stellen, wo er bei einem Schusswechsel angeschossen wurde, aber fliehen konnte. Bis seine Wunde geheilt war, versteckte er sich bei seinem Vater in Mooresville.

Spater uberfiel Dillinger zusammen mit Homer Van Meter , einem Mitglied seiner Bande, eine Polizeistation in Warsaw , Indiana. Das BOI erhielt unterdessen einen Tipp, wo sich Dillinger versteckt hatte, und fuhr mit mehreren Agenten dorthin. Es kam zu einem Schusswechsel. Dillinger gelang es jedoch, wieder zu fliehen. Gleichzeitig erschoss Lester Baby Face Nelson Gillis , ein Mitglied der Dillinger-Bande, bei einer Verkehrskontrolle einen FBI-Beamten und verletzte weitere.

Tod [ Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]

Dillingers Grab auf dem Crown Hill Cemetery in Indianapolis

Am 21. Juli 1934 kontaktierte Anna Sage das BOI , das versuchte, Dillinger dingfest zu machen. Sage war eine Mitbewohnerin von Polly Hamilton, der Dillinger freundschaftlich verbunden war. Fur Informationen uber Dillinger forderte sie 10.000 US-Dollar und eine dauerhafte Einburgerung durch die Einwanderungsbehorde . Als das BOI auf das Geschaft einging, verriet Sage, dass sie zusammen mit Dillinger und Polly Hamilton am nachsten Tag das Biograph- Kino in 2433 North Lincoln Avenue, Chicago, besuchen wolle, um sich den Film Manhattan Melodrama mit Myrna Loy , deren Fan er war, anzuschauen. Um eine schnellere Identifikation von Dillinger zu erreichen, trug Sage vereinbarungsgemaß ein orangefarbenes Kleid, das im kunstlichen Licht der Straßenlampen rotlich wirkte und dadurch zu ihrem Medien-Spitznamen Lady in Red fuhrte.

Als Dillinger am Abend des 22. Juli 1934 mit den beiden Frauen das Kino verließ, versuchten die BOI-Agenten unter der Fuhrung von Melvin Purvis , ihn festzunehmen. Dillinger erkannte die Situation und wurde beim Versuch, seine Waffe zu ziehen, von drei Projektilen todlich getroffen. Die Agenten Charles Winstead , Clarence O. Hurt und Herman E. Hollis gaben insgesamt funf Schusse ab. [5] Sage bekam nur 5.000 US-Dollar (etwa 100.000 US-Dollar nach heutiger Kaufkraft) des ausgesetzten Kopfgelds [6] und wurde 1936 nach Rumanien abgeschoben.

John Dillinger wurde auf dem Crown Hill Cemetery in Indianapolis beigesetzt. [7]

Seit der Beerdigung Dillingers gab es immer wieder Spekulationen, dass die auf dem Crown Hill Cemetery beerdigte Person nicht wirklich Dillinger sei. Begrundet wurde dies mit Unstimmigkeiten in der Personenbeschreibung der bestatteten Person. Im Jahr 2019 stellte Michael Thompson, der Neffe Dillingers, den Antrag auf Exhumierung und Untersuchung der sterblichen Uberreste, um diese Fragen zu klaren. Am 3. Juli 2019 genehmigte das Indiana State Department of Health den Antrag Thompsons und setzte das Datum der geplanten Exhumierung auf den 16. September 2019 fest. [8] Die Friedhofsverwaltung von Crown Hill lehnte den Plan jedoch ab, da sie darin eine im Wesentlichen kommerziell motivierte (die Aktion wurde durch den History Channel gesponsert) Storung der Totenruhe sah. [9] [10] Angesichts der Querelen zog sich der Fernsehsender ohne Begrundung wieder aus dem Projekt zuruck, aber der Neffe betrieb das Vorhaben der Exhumierung weiter und verklagte den Friedhof. Einige andere Familienangehorige Dillingers sprachen sich gegen den Plan aus, jedoch erteilte ein Gericht in Indiana am 5. Oktober 2019 erneut die Genehmigung, die Exhumierung durchzufuhren. Als Termin wurde der 31. Dezember 2019 anvisiert. Die Friedhofsverwaltung kundigte an, vor Gericht in Revision gehen zu wollen. [11] [12] Dillinger wird laut neuesten Informationen aus dem Januar 2020 nicht exhumiert, da auch der Neffe und die Nichte von diesem Plan abgeruckt sind. [13]

Verfilmungen [ Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]

Sonstige kulturelle Verarbeitungen [ Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]

Musik [ Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]

  • Der erste Musiker, der den Namen Dillinger annahm, war der jamaikanische Reggae - Deejay oder Reggae-Toaster Lester Bullock: Auf Anraten des Produzenten Lee Perry hin nannte er sich auf seiner ersten Single Ensome City Skank / Boloman Skank (1972) Young Dillinger. Seit 1973 / 1974 nennt er sich nur noch Dillinger .
  • Die US-amerikanische Mathcore -Band The Dillinger Escape Plan benannte sich nach John Dillinger.
  • Ein Lied von David Olney auf dem Album Through A Class Darkly aus dem Jahr 1999 heißt Dillinger .
  • Ein US-amerikanischer Rapper und Musikproduzent nennt sich mit Kunstlernamen Daz Dillinger .
  • Dillinger Four ist eine US-amerikanische Punkband .
  • Der britische Drum-and-Bass -Kunstler Dillinja nannte sich auf seinen ersten Veroffentlichungen Dillinger.
  • Der US-amerikanische Rapper und Musikproduzent Alexander Spit betitelte eines seiner Alben Dillinger .
  • Die US-amerikanische Band Social Distortion schrieb uber den “Public enemy #1” ihr Lied Machine Gun Blues .
  • Die Band Jello Biafra and the Guantanamo School of Medicine schrieb ein Lied uber John Dillinger.

Literatur [ Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]

  • Bernd Winter: John H. Dillinger, 1933/34 Amerikas Staatsfeind Nr. 1. In: Unsere Heimat. Mitteilungsblatt des Landkreises Saarlouis fur Kultur und Landschaft. Jahrgang 35, Heft 2, 2010, ISSN   1437-0905 , S. 53?58, ( online ).

Weblinks [ Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]

Commons : John Dillinger  ? Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [ Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]

  1. Elliott J. Gorn: Dillinger’s wild ride. The year that made America’s public enemy number one. Oxford Univ. Press, Oxford u. a. 2009, ISBN 0-19-530483-7 , S. 123.
  2. Bernd Winter: John H. Dillinger, 1933/34 Amerikas Staatsfeind Nr. 1. In: Unsere Heimat. Mitteilungsblatt des Landkreises Saarlouis fur Kultur und Landschaft. Jahrgang 35, Heft 2, 2010, S. 53?58.
  3. DILLINGER, John Herbert, F1c auf togetherweserved.com . Abruf am 18. Juli 2022
  4. John Dillinger . ( fbi.gov [abgerufen am 7. August 2021]).
  5. FBI History:Famous Cases John Dillinger
  6. Joseph McNamara: The justice story. True tales of murder, mystery, mayhem. Bannon Multimedia Group, Champaign IL 2000, ISBN 1-58261-285-4 , S. 170.
  7. John Dillinger in der Datenbank Find a Grave , abgerufen am 27. November 2009 (englisch). .
  8. John Dillinger’s Body to Be Exhumed. Courthouse News, 31. Juli 2019, abgerufen am 5. Oktober 2019 (englisch).
  9. Holly V. Hays: After cemetery's opposition, John Dillinger's nephew seeks court order for access to grave. Indianapolis, 15. August 2019, abgerufen am 5. Oktober 2019 (englisch).
  10. History Channel backs out but nephew still plans to dig up John Dillinger's body. National Post, 16. September 2019, abgerufen am 5. Oktober 2019 (englisch).
  11. John Dillinger: US gangster's body set to be exhumed. BBC News, 5. Oktober 2019, abgerufen am 5. Oktober 2019 (englisch).
  12. Ryan Prior: Indiana approves plan to exhume John Dillinger's grave on New Year's Eve. CNN News, 5. Oktober 2019, abgerufen am 5. Oktober 2019 (englisch).
  13. Daniel Kreps: John Dillinger’s Body Won’t Be Exhumed, After All. Rolling Stone Magazine, 9. Januar 2020, abgerufen am 9. Januar 2020 (englisch).
  14. Gangsterbraute 1934 . Michael Drewniok, krimi-couch.de, Juni 2007