Chinaschilf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopadie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Chinaschilf

Chinaschilf ( Miscanthus sinensis )

Systematik
Commeliniden
Ordnung : Sußgrasartige (Poales)
Familie : Sußgraser (Poaceae)
Unterfamilie : Panicoideae
Gattung : Miscanthus
Art : Chinaschilf
Wissenschaftlicher Name
Miscanthus sinensis
Andersson

Chinaschilf ( Miscanthus sinensis ), auch irrtumlicherweise unter dem Namen Elefantengras bekannt, ist eine ausdauernde Pflanzenart aus der Familie der Sußgraser (Poaceae). Sie stammt aus Ostasien (China, Japan, Korea).

Miscanthus sinensis charakterisiert sich durch eine schilfartige Wuchsform, bildet dichte bis lockere Horste aus und erreicht Hohen zwischen 80 und 200 (selten 300 bis 400) Zentimeter. Die Pflanzen bilden ein horizontal wachsendes, kurzes Rhizom aus, das daran ansetzende Wurzelsystem kann in Abhangigkeit von der Bodenbeschaffenheit bis in eine Tiefe von 2,5 m vordringen. [1] [2]

Die unverzweigten, festen Halme haben einen Durchmesser von 3 bis 10 Millimeter, die Knoten konnen kahl oder leicht behaart sein. Die am Ansatz des Stangels sowie am Stangel entlang wechselstandig stehenden Blatter zeigen die fur C4-Pflanzen charakteristische aufrechte Blattstellung, die eine maximale Lichtaufnahme ermoglicht. Die Blattscheide kann kahl oder filzig behaart sein. Die 18 bis 75 Zentimeter lange und 0,3 bis 2 (bis 4) Zentimeter breite Blattspreite ist linealisch und flach, vom Ansatz her verjungt sie sich oder ist breit abgerundet und lauft spitz zu. Die Mittelrippe steht hervor, die Rander sind rau oder glatt. Die 0,5 bis 4 Millimeter lange Ligula ist bewimpert. [2]

Miscanthus sinensis 'Ferner Osten', Blatter
Blutenstande

Der Blutenstand ist eine 20 bis 36 (ab 10) Zentimeter lange, annahernd kahle bis filzig behaarte Rispe , die Blutenstandsachse ist 6 bis 16 Zentimeter lang. Die einzelnen Trauben (deren Zahl insbesondere bei Sorten deutlich variieren kann) sind 10 bis 40 (4 bis 100) Zentimeter lang und erreichen einen Durchmesser von 10 bis 30 (ab 8) Zentimeter, die Internodien der Rhachis sind kahl und glatt bis schwach rau, ihre Knoten behaart. Die unteren Blutenstiele sind 0,5 bis 1,5 Millimeter lang, die oberen 1,5 bis 4 Millimeter. [2]

Die auf ungleich langen Ahrchenstielen sitzenden, paarweise angeordneten [1] Ahrchen sind filzig behaart bis kahl, ahlenformig und 4 bis 6,5 Millimeter lang. Sie werden von den 5 bis 8 Millimeter langen Kallusharchen uberragt, die annahernd gleichgeformten, hautigen Spelzen sind funfnervig, spitz zulaufend, 4 bis 6,5 Millimeter lang und ruckseitig kahl bis behaart, die Spitzen und der obere Rand sind behaart. Die unteren Deckspelzen sind lanzettlich und durchscheinend, 3,5 bis 4 Millimeter lang, an der Spitze und den Randern behaart, sonst kahl, eine Nervatur fehlt. Die oberen Deckspelzen gleichen ihnen, erreichen aber nur eine Lange von 2,5 bis 3,5 Millimeter. Die Grannen sind 4 bis 12 Millimeter, die oberen Vorspelzen sind 1 bis 2 Millimeter lange Schuppenblatter. Die drei Staubbeutel sind rund 2,5 Millimeter lang. [2]

Die elliptische Karyopse [2] ist mit einer Lange von 2,2 mm, einer Dicke von 0,9 mm und einer Tausendkornmasse von 300 bis 950 mg typisch fur windausgebreitete Pflanzen. [1]

Die Chromosomenzahl betragt 2n = 40 oder 46. [3]

Verbreitung und Habitat

[ Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]

Chinaschilf ist in weiten Teilen Chinas sowie in Japan und Korea auf Berghangen, an Kusten sowie gestorten Standorten in Hohenlagen unter 2000 Meter weitverbreitet. [2]

In den USA haben sich als Zierpflanzen eingefuhrte Arten unkontrolliert durch Samen ausgebreitet und sind daher bereits 20 Jahre nach der Einfuhrung als invasiv eingestuft worden. Besonders in den Zonen der gemaßigten Breiten der Atlantikkuste, [4] konnten sie sich ausbreiten [5] ; bekampft werden sie am effektivsten mit glyphosathaltigen Herbiziden. [6]

In den Ursprungslandern sind etwa 40 Arten Schmetterlinge bekannt geworden, die das Chinaschilf als Wirtspflanze besuchen, die meisten davon aus Gattungen der Hesperiidae und Nymphalidae . [7]

Miscanthus verfugt uber den sogenannten C4-Metabolismus , eine unter bestimmten Umweltbedingungen besonders effiziente Form der Photosynthese ; daher zeichnet sich die Pflanze, verglichen mit den C3-Pflanzen , unter bestimmten klimatischen Bedingungen durch eine besonders hohe Biomasseleistung aus.

Miscanthus sinensis wurde 1855 durch Nils Johan Andersson erstbeschrieben. Die Art gilt als sehr variabel, daher kam es zur Beschreibung vieler Untertaxa und heute als synonym verstandener Arten. Synonyme sind: Miscanthus condensatus Hack. , Saccharum japonicum Thunb. , Miscanthus transmorrisonensis Hayata . [2] [8]

In den Ursprungsgebieten war das Chinaschilf als Rohstoff fur Matten und Flechtwerk zum Sicht- und Windschutz sowie als Futterpflanze bekannt. Seit den 1950er Jahren wird es neben Miscanthus sacchariflorus in Europa als Zierpflanze kultiviert. Es existieren zahlreiche Sorten, die Verwendung in der Gartengestaltung finden, wie 'Strictus', 'Ferner Osten' und 'Malepartus'.

Bereits 1935 wurde eine spezielle starkwuchsige Sorte, das Riesen-Chinaschilf ( Miscanthus × giganteus ), eine Kreuzung aus dem Chinaschilf mit Miscanthus sacchariflorus , von Japan uber Danemark nach Mitteleuropa eingefuhrt, das auch im europaischen Raum Wuchshohen von bis zu vier Metern erreichen kann und deshalb seit dem Ende der 1970er Jahre vermehrt als nachwachsender Rohstoff zur energetischen und stofflichen Nutzung angebaut wird.

Einzelnachweise

[ Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ]
  1. a b c Nach www.miscanthus.de
  2. a b c d e f g Shou-liang Chen & Stephen A. Renvoize: Miscanthus sinensis , in: Flora of China , Bd. 22, S. 581?583, Online
  3. Tropicos. [1]
  4. Eintrag Miscanthus sinensis , NRCS, US Dep. of Agriculture ? mit aktueller Verbreitungskarte
  5. Eintrag Chinese silvergrass www.invasive.org
  6. J. Swearingen, K. Reshetiloff, B. Slattery, S. Zwicker: Plant Invaders of Mid-Atlantic Natural Areas. National Park Service and U.S. Fish & Wildlife Service, 2002, S. 82, zitiert nach www.invasive.org
  7. Natural History Museum: HOSTS ? a Database of the World's Lepidopteran Hostplants @1 @2 Vorlage:Toter Link/internt.nhm.ac.uk ( Seite nicht mehr abrufbar , festgestellt im Dezember 2023. Suche in Webarchiven )     Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prufe den Link gemaß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. Miscanthus sinensis . In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science , abgerufen am 31. Mai 2020..
Commons : Chinaschilf ( Miscanthus sinensis )  ? Album mit Bildern, Videos und Audiodateien